Die uns alle bewegende Frage: Was ist cool?

cool

Okay, ich gebe zu, es ist auf jeden Fall mega-uncool, darüber zu sinnieren, was cool ist. Zwanghaft cool sein zu wollen, ist natürlich alles andere als cool – schon klar! Damit haben wir das Wichtigste zumindest schon mal genannt.

Die Allgegenwart und Macht, die in diesem Wortzwerg stecken, ist gewaltig. Wenn ich mit Freunden abhänge, gebrauchen wir das 80s-Wort ziemlich inflationär:

Wir entscheiden spontan, ins Kino zu fahren – Cool!“

Nebenbei bemerken wir die neuen Schuhe von einer Freundin – „Cool!“

Angekommen und Auto geparkt – „Cool!“

Es ist Kinotag und wir bezahlen weniger – „Cool!“

Der Popcorn-Typ – „Ziemlich cool!“

Fahrstuhl ist gleich bereit – „Cool!“

Der Film samt Schauspieler wurde als „cool“ bewertet.

Der Abend endet mit der Verabschiedung „war cool“.

Man bekommt den Eindruck, dieses einsilbige Kraftwörtchen passt nahezu in jede Situation – ist bedeutungsleer, unspezifisch, zu einer Floskel verkommen. Oder ist es möglicherweise so beliebt, weil es bunt an Bedeutungen ist? Konsultiert man den Duden, wird man über 4 Bedeutungsebenen des Adjektivs informiert:

  1. [stets] die Ruhe bewahrend, keine Angst habend, nicht nervös [werdend], sich nicht aus der Fassung bringen lassend; kühl und lässig, gelassen
  2. keine Gefahren bergend, risikolos, sicher
  3. keinen, kaum Anlass zur Klage gebend, durchaus annehmbar, in Ordnung
  4. in hohem Maße gefallend, der Idealvorstellung entsprechend

Die Marke Coolness ist mit die höchste Anerkennung, die man von Mitmenschen bekommen kann, ein Status, der für die meisten erstrebenswert ist.

Fakt ist aber auch, dass man nicht einfach schnell mal so cool sein kann, sich den Coolness-Faktor antrainiert. Es verhält sich so ähnlich wie mit der Schwester von Coolness: Aura. Entweder man hat sie oder man hat sie eben nicht. It’s as simple as that!

Und außerdem, ab wann gilt man gemeinhin als cool? Den Coolnessfaktor kann man nicht in Form einer Statistik ausdrücken; er ist schlecht messbar.

Für meine Begriffe müssen sich mehrere Facetten in einer Person kulminieren, damit ich diese Person cool finde. Mein Hauptkriterium? Authentizität!!! Akzeptiere dich so wie du bist und sei verdammt noch mal du selbst! Wenn jemand natürlich in jeglicher Hinsicht ist, macht ihn das schon sehr cool (Botox, Silikon, Haar-Extensions sind natürlich legitim, aber uncool). Gelassen zu bleiben, sich nicht beirren zu lassen von dieser Craziness um uns herum. Go-with-the-flow-Menschen, die mit einer gewissen Leichtigkeit, Gelassenheit und Souveränität Dinge verrichten, find ich extrem cool! Wirklich!

David Bowie muss ziemlich cool gewesen sein. Bud Spencer ist es immer noch. Samuel L. Jackson sowieso. Das sind alles Typen mit immateriellem Gehalt (natürlich wegen ihres Erfolges auch materiell gut situiert). Dingliche Statussymbole, Markenklamotten sind unwichtig, es kommt auf die Fähigkeiten/ Talente einer Person an. Im Gegenteil: Trägt jemand ganz fettgedruckte Markenapplikation auf seinem Shirt und sich dadurch unweigerlich zum Diener großer Markenkonzerne macht, finde ich das eher geltungsbedürftig, wobei ich damit nicht sagen will, dass ich auf Qualität keine Rücksicht nehme).

Stil, Klasse, Stolz – das sind Abstrakta, die Menschen auch cool wirken lassen. Wenn jemand keinen Geschmack hat (Ja ja – ich weiß, dass so was immer im Auge des Betrachters liegt, aber es gibt tatsächlich Leute ohne Geschmack. Punkt.), wird’s kompliziert, denn dann kommt dieser „Der/Die-ist-zwar-aber“- Effekt: Lässt die Person sich nicht aus dem Konzept bringen und wirkt nicht unsicher, kann das auch wieder coolnessstiftend sein. Das bringt mich zu meiner zweitwichtigsten Charaktereigenschaft: Selbstvertrauen! Fehlt es einer Person an einem gesunden Maß an Selbstbewusstsein ist es schon mal extrem schwierig, nach außen hin als cooler Typ wahrgenommen zu werden. „Sind sie sich selbst ein guter Freund?“, fragte Max Frisch. Selbstachtung, sich selbst zu lieben, sind entscheidende Erfordernisse, um glücklich zu sein. Und kommt ein Miesepeter schon cool an? Wohl eher nicht.

Jetzt kommt die Krux, denn den optimalen Grat zwischen Selbstliebe und Zurückhaltung zu finden, schaffen nicht alle so gut. Understatement. Wie sexy (im Sinne von cool) ist es denn bitte, wenn man jemanden kennenlernt und man erfährt so nebenbei, was er/ sie alles so auf dem Kasten hat? – Oh ja, das ist definitiv cool!

Cool finde ich auch, wenn jemand schlagfertig, humorvoll und ironiefähig ist. Diese Personen haben meist auch einen gewissen Charme, der eigentlich immer cool ist.

Nach rechts und links zu schauen, die Ellenbogen nicht auf Dauerbetrieb anzuspitzen, generell: Aufmerksamkeit und Interesse gegenüber anderen. Das ist wahrhaftig cool! Verdammt cool ist auch, wenn jemand leidenschaftlich ist; nicht nur im Bett, sondern auch im Atelier, Tonstudio, Werkstatt or wherever, sich also in Tätigkeiten verlieren kann, vielleicht sogar dafür brennt, mettle zeigt – ein kompaktes englisches Wort für Eifer, Mut und Feuer, das in einem Menschen steckt. Das macht eine Person erst interessant, denn nichts ist langweiliger als eine tote Hülle. Intelligenz, Wissensdurst und Lernen allgemein sind entscheidend, um den Coolness-Stempel aufgedrückt zu bekommen (auf der Skaleneinteilung gaaaanz wichtig). Der absolute Abturner ist es doch, wenn man kein anregendes Gespräch mit einer Person führen kann, ja sich sogar kognitiv unterfordert fühlt und mit small talk an der Oberfläche kratzt. Und natürlich der feine Unterschied: Zum Was kommt das Wie hinzu. Inhalt und Rhetorik spielen gleichermaßen eine Rolle.

Spontaneität & Abenteuerlust sind per se cool, weil es von Weitblick und Flexibilität zeugt und den Eindruck vermittelt, erfrischend, dynamisch und aktiv zu sein. Überraschungen sind immer cool!

Arroganz und ein narzisstisches Geltungsbedürfnis kommen eher hilflos & lächerlich daher. Was auch gar nicht geht, ist Intoleranz, Rachegelüste oder Kaltherzigkeit. Egozentriker, Prolls und Spießer sind eher peinlich als cool, weil sie in ihrem Denken eingeschränkt wirken. Die 3 der 7 Todsünden Gier, Geiz und Neid schlummern zwar in allen von uns, doch schlagen sie ins Extreme aus, ist das auch super-uncool.

Entdeckt man die positiv genannten Merkmale in einer Person, hat diese hinsichtlich der gesellschaftlichen Wertschätzung den Jackpot geknackt und bekommt gedanklichen Beifall und Kniefälle.

Hey und wirklich cool ist doch, wer sich nicht darum schert, ob etwas cool oder uncool ist.

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5 Comments

  1. Sabrina

    Deine Texte sind so toll.

  2. Robert

    Cooler Artikel! ;D

  3. Remarkable! Its actually awesome piece of writing, I have got much clearr idea about
    from this paragraph.

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